KI im Forderungsmanagement: Wie die Finanzabteilung den Schritt von der Reaktion zur Antizipation meistert

Forderungsmanagement
Bild: Generiert mit AI

Das Forderungsmanagement hat in vielen Unternehmen einen Wandel durchlaufen, der oft unterschätzt wird. Was früher als notwendige administrative Routine galt, ist inzwischen ein strategischer Kernprozess, der darüber entscheidet, wie stabil ein Unternehmen finanziell aufgestellt ist. Liquidität ist nicht nur ein Ergebnis guter Prozesse – sie ist ein Wettbewerbsvorteil. Und genau hier beginnt die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI).

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Studien zeigen, dass bis 2026 rund 50 Prozent der Großunternehmen zentrale Bereiche ihres Forderungsmanagements automatisieren werden. Diese Entwicklung entsteht nicht, weil Menschen ersetzt werden sollen, sondern weil traditionelle Arbeitsweisen die Komplexität moderner Geschäftsmodelle nicht mehr auffangen können. Die Teams im Forderungsmanagement arbeiten engagiert, aber ihnen fehlen häufig integrierte Prozesse, gemeinsame Datenquellen und die Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Warum das Forderungsmanagement so unter Druck steht

Wer einen typischen Arbeitstag in einer Forderungsmanagement-Abteilung beobachtet, erkennt schnell, wo die Engpässe liegen. Der Ablauf ist im Grunde nachvollziehbar, aber wenig effizient. Mitarbeitende:

  • durchsuchen Postfächer nach Zahlungsavisen,
  • laden Dokumente aus mehreren Portalen herunter,
  • übertragen Informationen manuell in ein ERP-System,
  • bearbeiten Klärungsfälle und Abzüge,
    erstellen Mahnungen,
  • und führen parallel Excel-Listen, um den Überblick zu behalten.

Jeder dieser Schritte ist wichtig – doch sie greifen selten ineinander. Informationen liegen verteilt in E-Mails, Portalen, ERP-Systemen, EDI-Daten oder Tabellen. Dadurch verbringen die Teams viel Zeit mit Verwaltung statt mit Analyse oder Kundeninteraktion. Das Ziel ist daher klar: Die manuelle Fragmentierung durch KI-gestützte Automatisierung ersetzen, um Zeit, Transparenz und Steuerungsfähigkeit zurückzugewinnen.

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Was KI im Forderungsmanagement verändert

KI wirkt nicht wie eine weitere Software-Schicht, sondern wie ein völlig neues Betriebssystem für die Zusammenarbeit. Sie reduziert manuelle Aufgaben und erkennt Muster, die Menschen im Tagesgeschäft kaum sehen können.

1. Automatisierung der wiederkehrenden Aufgaben

Ein Großteil der Zeit geht für Tätigkeiten verloren, die sich eigentlich automatisieren lassen. KI kann diese zuverlässig übernehmen, zum Beispiel:

  • individuell gesteuerte Mahnungen, basierend auf Zahlungsverhalten und Risikoprofil,
  • automatische Zahlungszuordnung, inklusive Extraktion von Informationen aus Zahlungsavisen,
  • Klassifizierung von Abzügen, etwa berechtigt, unklar oder strittig,
  • Zusammenstellung von Unterlagen zu Streitfällen, ohne manuelle Recherchen.

Dadurch entsteht mehr Raum für das, was Teams wirklich voranbringt: Entscheidungen treffen, Kundenbeziehungen pflegen und Risiken steuern.

2. Frühzeitiges Erkennen von Risiken statt spätem Reagieren

Zahlungsverzug wirkt oft plötzlich, doch er kündigt sich fast immer vorher an. KI erkennt diese Signale – auch wenn sie über hunderte Konten verteilt sind. Dazu gehören:

  • sinkende Bestellmengen,
  • ungewöhnliche Abzugsmuster,
  • verändertes Zahlungsverhalten,
  • wiederkehrende Streitfälle.

Die KI erstellt daraus Zahlungswahrscheinlichkeiten und klare Prioritäten für das Mahnwesen. Teams wissen damit genau, wo schnelles Handeln notwendig ist und wo weniger Risiko besteht.

3. Eine einzige Wahrheit statt vieler Dateninseln

Ein häufiger Engpass in Unternehmen ist nicht der Mangel an Daten – sondern der Mangel an integriertem Überblick. KI verbindet Informationen aus ERP-System, Bankdaten, Kundenportalen, Zahlungsavisen und Vertriebsinformationen. Dadurch entsteht eine einheitliche Sicht auf alle offenen Posten, die sofort erkennen lässt:

  • Wer wird wahrscheinlich pünktlich zahlen?
  • Wo besteht akutes Risiko?
  • Welche Beträge sind blockiert?
  • Welche Auswirkungen hat dies auf die Liquidität und den DSO?

Die Finanzabteilung gewinnt damit die Möglichkeit, fundierter zu steuern.

KI als strategischer Assistent für die Finanzfunktion

Während ERP-Systeme für die operative Abwicklung unverzichtbar sind, bietet KI eine zusätzliche, strategisch ausgerichtete Ebene. Sie bewertet Kunden täglich nach ihrem tatsächlichen Verhalten und gibt Hinweise darauf, wo Ressourcen gezielt eingesetzt werden sollten. Das verbessert nicht nur die Entscheidungen innerhalb der Abteilung, sondern auch die Zusammenarbeit mit Vertrieb und Kundenservice. Wenn alle Beteiligten auf denselben aktuellen Daten arbeiten, entstehen weniger Missverständnisse und schneller Klarheit über Prioritäten.

Die Finanzfunktion entwickelt sich weiter – hin zu mehr Antizipation und vorausschauendem Handeln

Künstliche Intelligenz ist keine kurzfristige technische Neuheit – sie ist eine grundlegende Neuausrichtung des Forderungsmanagements. Prozesse werden flüssiger, vorausschauender und wesentlich planbarer. Teams gewinnen mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben, und die Finanzleitung erhält eine robustere Grundlage für strategische Entscheidungen.

Besonders deutlich wird der Effekt dort, wo Unternehmen KI bereits in ihren Order-to-Cash-Prozess integriert haben. Viele berichten, dass sich die Durchlaufzeiten verkürzen, Risikoentscheidungen klarer werden und Liquidität besser planbar ist.

Unternehmen, die diesen Schritt gegangen sind, nutzen häufig moderne Lösungen wie die Order-to-Cash-Software von HighRadius oder anderen Anbieter, die verschiedene Prozessschritte intelligent miteinander verbinden können.

Studien bestätigen diese Entwicklung: In Unternehmen, die KI im Forderungsmanagement einsetzen, sinkt der DSO durchschnittlich um 20 bis 30 Prozent.

Das ist mehr als eine Prozessverbesserung. Es ist ein Wandel, der die Rolle der Finanzabteilung neu definiert – weg vom Verwalter, hin zum aktiven Treiber der Unternehmensperformance.

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